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Climate Proofing (dt.: Sicherung gegenüber dem Klimawandel sowie Prüfverfahren zur Integration von Klimawandelfolgen)

Climate Proofing bezeichnet die systematische Berücksichtigung von Anpassungsfragen und die Entwicklung von Risikominderungsstrategien gegenüber klimabezogenen Extremereignissen sowie schleichenden Veränderungen. Dabei kann Climate Proofing sowohl im Sinne eines Prüfverfahrens verstanden werden als auch als generelle Strategie zur Sicherung von bestehenden Systemen (z. B. Infrastrukturen) oder als zukunftsorientierte Investition gegen die Folgen des Klimawandels.

Eine einheitliche Definition des Begriffs Climate Proofing gibt es bisher nicht. In der inter­nationalen Klimaanpassungsforschung und -politik finden sich drei Ausprägungen des Beg­riffs (Birkmann, Fleischhauer 2009):

  • Objektbezogen: Das weitaus häufigste Verständnis des Begriffs bezieht sich auf Objekte, die i. S. einer Anpassung an den Kimawandel gegenüber dessen Auswirkungen abgesi­chert oder geschützt werden sollen. Dabei erstreckt sich der Begriff beispielsweise auf einzelne Infrastrukturen oder Sektoren wie Landwirtschaft.
  • Prozessbezogen: In diesem Sinn wird der Begriff zur Beschreibung von Planungs- und Entscheidungsprozessen (Prüfverfahren) verwendet, die resiliente Raumstrukturen gegenüber zukünftigen Klimafolgen zum Ziel haben.
  • Subjektbezogen: Ein weiteres Begriffsverständnis orientiert sich an den handelnden Sub­jekten. In diesem Sinne geht es darum, dass vom Klimawandel betroffene Akteure z. B. Kenntnisse erwerben, um das Ergebnis ihrer Handlungen an die veränderte Situation durch den Klimawandel anzupassen. Ein Beispiel wäre die Qualifizierung von Landwir­ten, damit diese besser mit Dürre/Trockenheit umgehen können.

Für klimabezogene schleichende Veränderungen entspricht Climate Proofing dem Nach­haltigkeitsprinzip, für Extremereignisse handelt es sich letztlich um eine Erweiterung des Nachhaltigkeitsprinzips um die Dimension der Katastrophenresistenz (BMVBS, BBSR 2009; Greiving 2002).

Eine der ersten wissenschaftlichen Forderungen nach einem Climate Proofing wurde von Kabat et al. (2005) formuliert. Sie beziehen sich dabei allerdings ausschließlich auf die An­passung an den Klimawandel, wohingegen andere Autoren auch Aspekte des Klimaschutzes unter dem Stichwort Climate Proofing mitbehandeln. Kabat et al. (2005) definieren Climate Proofing dabei wie folgt: „Climate proofing does not mean reducing climate-based risks to zero – an unrealistic goal for any country. The idea is to use hard infrastructure to reduce risks to a quantified level, accepted by the society or economy. This risk can be further combated by ‚softer’ measures, such as insurance schemes or, as a last resort, evacuation plans. Such climate proofing should be driven by opportunities for technological, institutional and societal innovations, rather than purely by fear of the negative effects of climate change” (Kabat et al. 2005: 283).

Die in der internationalen Diskussion vertretenen Definitionen von Climate Proofing spie­geln aber letztlich die Sorge wider, dass existierende Strukturen, Verhaltensweisen und Sys­teme nicht mehr langfristig als „sicher“ gelten können. Damit verbunden ist die Forderung, Strukturen, Prozesse, Systeme usw. so auszugestalten, dass sie weniger verwundbar sind (siehe Vulnerabilität) und trotz unvorhergesehener, plötzlicher Änderungen weiter existie­ren und funktionieren, sei es, weil sie (1) besonders robust („resistant“), (2) besonders flexi­bel/fehlertolerant („resilient“) oder (3) besonders rückzugsfähig („able to retreat“) sind.

Für die räumliche Planung und Raumentwicklung in Deutschland lässt sich somit als erste Annäherung folgende Definition und Abgrenzung des Begriffs Climate Proofing ableiten: „Unter ‚Climate Proofing’ sind Methoden, Instrumente und Verfahren zu verstehen, die absi­chern, dass Pläne, Programme und Strategien sowie damit verbundene Investitionen gegen­über den aktuellen und zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels resilient und anpas­sungsfähig gemacht werden, und die zudem auch darauf abzielen, dass die entsprechenden Pläne, Programme und Strategien dem Ziel des Klimaschutzes Rechnung tragen“ (Birkmann, Fleischhauer 2009: 118).

In einem engen Verständnis handelt es sich bei Climate Proofing um ein reines Prüfverfah­ren, bei dem die Umsetzung der Ergebnisse nicht Gegenstand des Verfahrens ist. In der aktu­ellen Diskussion werden in einem weiteren Verständnis des Begriffs Climate Proofing unter dem Prüfverfahren auch Methoden und Projekte subsummiert, die die Berücksichtigung ent­sprechender Klimaanpassungsfragen in Plänen und Programmen ermöglichen. Insgesamt be­zieht sich Climate Proofing damit einerseits auf neue Aspekte der Planung und der Planprüf­verfahren, andererseits umfasst es auch neue Wertmaßstäbe, die die Frage, was klimaange­passte Raumentwicklung konkret bedeutet, für die jeweilige Region oder Kommune konkreti­sieren muss. Ob dafür ein neues Plan- und Prüfverfahren notwendig ist oder diese Anforde­rungen in bestehende Prüfverfahren (insb. in die Strategische Umweltprüfung) integriert wer­den können, ist damit nicht beantwortet, sondern wird sich in der Praxis erweisen müssen.

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