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Glossar

k
Klimawandel (engl.: climate change)

Der Begriff des Klimawandels bzw. der anthropogenen Klimaänderung bezieht sich in erster Linie auf die aktuelle vom Menschen verursachte Veränderung des globalen und regionalen Klimas. Allgemein umfasst eine Klimaänderung die langfristigen Veränderungen des Klimas, unabhängig davon, ob dies auf natürliche oder anthropogene Ursachen zurückzuführen ist.

Die erstgenannte Bedeutung entspricht der in der Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) verwendeten Definition von „Climate Change“ (UNFCCC 1992, Art. 1). Der anthropogene Klimawandel ist Teil des globalen Wandels, tritt zusätzlich zur natürlichen Klimavariabilität auf und verändert die Umwelt­bedingungen vergleichsweise rasch, mit z.T. tiefgreifenden Folgen (Klimawirkung).

Die Klimaänderungen der Vergangenheit lassen sich über die gemessenen oder aus ver­schiedenen Quellen rekonstruierten Klimaparameter nachweisen. Ihre Analyse dient dem Verständnis des Klimasystems und seiner natürlichen Variabilität. Der IPCC definiert daher „Climate Change“ allgemein als Klimaänderung mit den langfristigen Veränderungen des Klimas, unabhängig davon, ob dies auf natürliche oder anthropogene Ursachen zurückzufüh­ren ist (IPCC 2007c; IPCC 2001). Die zukünftige Entwicklung des Klimas wird auf der Basis dieses Verständnisses über Szenarien und Modelle in Projektionen abgeschätzt und be­inhaltet daher stets Unsicherheiten („wahrscheinlicher Klimawandel“).

Klimawirkung, Klimafolgen

Eine Klimawirkung ist das Resultat einer multikausalen Wirkungsbeziehung, an deren Anfang die Veränderungen bestimmter Klimakenngrößen bzw. -variablen als Belastung (Einwirkung) auf ein klimasensitives System stehen und in deren Folge in Abhängigkeit von der Exposition ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen im betroffenen System eintreten können.

Art und Größe der Auswirkungen einer Klimaänderung hängen immer auch von nichtklima­tischen Parametern ab, die die Exposition sowie die Sensitivität und das Bewältigungs- bzw. Anpassungspotenzial (Vulnerabilität) des Sytems bestimmen. Die spezifische Klimawirkung wird über mathematische Beziehun­gen ermittelt, bei denen die Projektionen der Klimavariablen mit den Systemparametern und den nichtklimatischen Wirkfaktoren verknüpft werden. Bei Letzteren werden raumbezogene Geobasis- und Geofachdaten und ggf. ihre zukünftig zu erwartende Veränderung verwendet. Diese sind i.d.R. in größerer räumlicher Auflösung verfügbar, als es bei den Daten der regio­nalen Klimamodelle der Fall ist, sodass sie vorherrschend die regionale Verteilung der Vulnerabilität im Klimawandel bestimmen.

Je nach Komplexität der Wirkungsbeziehung unterscheidet man direkte und indirekte Klima­wirkungen. Bei direkten Klimawirkungen besteht eine annähernd direkte Wirkungskette zwi­schen veränderten klimatischen Bedingungen, z.B. vermehrten Hitze- und Dürreperioden, und Auswirkungen, z.B. Ernteausfällen oder Herz- Kreislaufbelastungen. Bei indirekten Kli­mawirkungen werden hingegen mehrere nebeneinander bestehende Wirkungsketten multikau­sal verknüpft sowie Rückkopplungen und Vorschädigungen berücksichtigt. Das betrifft z.B. die Ausbreitung von Krankheitserregern und ihren Übertragungsorganismen, die von jeweils unterschiedlichen klimatischen und umweltbezogenen Bedingungen abhängig sind, zusätzlich aber auch von Transportsystemen sowie dem Zustand des Gesundheitssystems. Außerdem unterscheidet man zwischen potenzieller Klimawirkung, ohne den Einfluss von Anpassung zu berücksichtigen, und verbleibender Klimawirkung nach Berücksichtigung der schadens­mindernden Wirkung von Anpassung.

Häufig wird auch von Klimafolgen synonym für Klimawirkungen gesprochen, was für direkte, potenzielle Klimawirkungen auch adäquat ist. Es wird jedoch beim Begriff Klimafol­gen weniger deutlich vermittelt, dass indirekte, verbleibende Klimawirkungen im globalen Wandel auch maßgeblich die Folge von Veränderungen nichtklimatischer ökonomischer, ökologischer und sozialer Einflussfaktoren sowie von Anpassung in komplexen und multi­kausalen Wirkungsbeziehungen sein können.

Kritische Infrastrukturen

Unter Kritischen Infrastrukturen werden Einrichtungen und Organisationen verstanden, die für das staatliche Gemeinwesen von zentraler Bedeutung sind und bei deren Ausfall oder Be­einträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffent­lichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden (BMI 2005).

Als Kritische Infrastrukturen gelten z.B. die Energie- und Wasserversorgung, Verkehrs­netze und Kommunikationsinfrastrukturen sowie Krankenhäuser. Ein Ausfall dieser Systeme würde zu erheblichen Beeinträchtigungen des Gemeinwesens und der täglichen Erfordernisse führen.

Aus Sicht der Raumplanung sind Kritische Infrastrukturen besonders wichtig, da ohne sie die Bereitstellung von Daseinsgrundfunktionen und Leistungen des täglichen Bedarfs nicht hinreichend gewährleistet werden kann. Aufgrund des Klimawandels steigt in einigen Regio­nen das Risiko des Ausfalls Kritischer Infrastrukturen infolge von Extremwetterereignissen, z.B. Hochwasserereignissen. Hier besteht also eine besonders hohe Vulnerabilität, auf die bei bestehenden Infrastrukturen mit Anpassungs- oder Schutzmaßnahmen reagiert werden sollte. Insbesondere sollten in gefährdeten Gebieten nach Möglichkeit keine Kritischen Infrastruktu­ren angesiedelt werden oder entsprechende Vorsorgemaßnahmen mit dem Bau solcher Infra­strukturen eingeplant werden, wie z.B. die Förderung resilienter Strukturen (Krings 2010).

n
No-Regret-Strategie (dt.: „Strategie ohne Bedauern“)

No-Regret-Strategien basieren auf Konzepten und Verhaltensweisen, die unabhängig vom Klimawandel ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll sind. Sie werden vorsorglich ergriffen, um negative Auswirkungen zu vermeiden oder zu mindern. Ihr gesellschaftlicher Nutzen ist auch dann noch gegeben, wenn der primäre Grund für die ergriffene Strategie (hier: Anpassung an den Klimawandel) nicht im erwarteten Ausmaß zum Tragen kommt.

Der Begriff der No-Regret-Strategie taucht bereits im zweiten Sachstandsbericht des IPCC (1995) auf. No-Regret-Strategien sind hier Maßnahmen, deren gesellschaftlicher Nutzen, der zusätzlich zum Nutzen der verhinderten Klimaänderung eintritt, den gesellschaftlichen Kosten gleichkommt oder diese übersteigt (ebd.).

Beispiele für No-Regret-Strategien zur Anpassung an den Klimawandel sind:

  • Erarbeitung von Evakuierungsplänen und Frühwarnsystemen, z.B. gegenüber Hochwas­serereignissen
  • Einführung von energieeffizienten Gebäudestandards in den Bereichen Wärmedämmung und Heizung (das Klima wird geschützt und die Heizkosten fallen)

No-Regret-Strategien sind aufgrund der Unsicherheiten bzgl. der zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels attraktiv, da sie auch dann von Nutzen sind, wenn der Klimawandel anders ausfällt als erwartet (Hallegatte 2009). Im Gegensatz zu Strategien und Maßnahmen, die einen hohen Aufwand erfordern und zudem nur einem Zweck dienen, sind No-Regret-Strategien zeitnah umsetzbar. Zudem dürfte die Akzeptanz zur Durchführung von No-Regret-Strategien höher sein als für Maßnahmen, für die große Investitionen getätigt werden müssen und die nur einem einzigen Zweck dienen. Durch ihre Multifunktionalität wird die Akzeptanz von Anpassungsmaßnahmen erhöht. Allerdings werden die Potenziale dieser Maßnahmen teilweise als gering eingeschätzt: Finanzielle, technologische, institutionelle oder gesellschaftliche Ursachen (z. B. auch ein Mangel an Information) verhindern oftmals die Umsetzung von No-Regret-Strategien trotz ihres vielschichtigen Nutzens (ebd.).

p
Projektion

Vgl. Klimaprojektion.

r
Raumplanung, Raumordnung, Raumentwicklung

Raumplanung umfasst die überörtliche, zusammenfassende Gesamtplanung (= Raumordnung) und die örtliche Gesamtplanung, während der Begriff der Raumentwicklung stärker den gestaltenden, dynamischen Charakter der Entwicklung eines Raumes beschreibt.

Die Raumplanung spielt eine zentrale Rolle bei der Lösung von Nutzungskonflikten, die durch den klaren Raumbezug von Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel entstehen können.

Der Begriff der Raumplanung umfasst in Deutschland die örtliche und die überörtliche Gesamtplanung. Auf überörtlicher Ebene ist dies die Raumordnung, die als zusammenfas­sende und übergeordnete Tätigkeit zur Ordnung und Entwicklung des Raumes definiert wird. Raumordnung betrifft die Ebenen der Bundesraumordnung, der Landesplanung sowie der Regionalplanung. Die Gesamtplanung auf örtlicher Ebene ist die Bauleitplanung (kommunale städtebauliche Planung), die die bauliche und sonstige Nutzung des Gemeindegebiets vorbe­reitet (Flächennutzungsplan) und letztlich auch bürgerverbindlich regelt (Bebauungsplan) (Turowski 2005; Greiving 2011).

Von diesen Gesamtplanungen werden die raumbedeutsamen Fachplanungen unterschie­den. Die Gesamtplanungen nehmen auf allen Ebenen eine Abstimmung und Zusammenfas­sung der Fachplanungen vor, weshalb die Raumplanung auch als integrativ, überfachlich oder übergeordnet beschrieben wird. Raumplanung und raumbedeutsame Fachplanungen können wiederum unter dem (Ober-)Begriff der raumbedeutsamen Planungen zusammengefasst wer­den (Turowski 2005; Greiving 2011).

Im Gegensatz zum traditionellen Begriff der Raumordnung, der „eine leitbildhafte, norma­tive Vorstellung von der Ordnung und Entwicklung eines Raumes“ (Sinz 2005: 863) be­schreibt, betont der Begriff der Raumentwicklung stärker den gestaltenden, dynamischen Charakter der Entwicklung eines Raumes und schließt dabei auch räumliche Entwicklungs­konzepte fachübergreifender Art ein (ebd.: 864).

Der Raumplanung kommt bei der Formulierung von Anpassungsstrategien an den Kli­mawandel eine Vorreiterrolle u.a. bei der Entwicklung von Leitbildern für anpassungsfähige und resiliente Raumstrukturen zu. Diese Aufgabe wird in der Deutschen Anpassungsstrategie (vgl. Bundesregierung 2008) herausgestellt. Daneben stellt die kartographische Darstellung von Risikogebieten eine wesentliche Informations- und Entscheidungsgrundlage dar. Zum Klimaschutz trägt die Raumplanung durch die Steuerung von Flächen für erneuerbare Ener­gien, die Entwicklung energieeffizienter und emissionsarmer Siedlungsstrukturen sowie die Sicherung von Treibhausgassenken bei (BMVBS 2010). Als formelle Instrumente der Raum­ordnung im Umgang mit dem Klimawandel sind Vorrang-, Vorbehalts- oder Eignungsge­biete zu nennen. Speziell zur Anpassung an den Klimawandel werden allerdings Optimierun­gen und Ergänzungen des Instrumentariums diskutiert, z.B. Climate Proofing oder Ziel­vereinbarungen (ebd.).

c
Climate Adaptation Mainstreaming (dt.: Integration von Klimaanpassung in alle Arbeitsbereiche)

Climate Adaptation Mainstreaming bezeichnet die Integration von Strategien, Instrumenten und Maßnahmen der Klimaanpassung in alle Politik- und Arbeitsbereiche. 

Bei aktuellen Entscheidungen der Raumplanung werden zukünftige klimatische Veränderun­gen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen bisher kaum berücksichtigt. Es wird jedoch in Zukunft verstärkt darum gehen, Phänomene wie den Temperaturanstieg, die veränderten Nie­derschlagsverteilungen und die Zunahme von Extremwetterereignissen in Planung und Poli­tikgestaltung vorausschauend zu berücksichtigen (vgl. Anpassung). Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass nicht nur direkte, sondern auch indirekte Auswirkungen des Kli­mawandels auf die Raumnutzung zu erwarten sind. Während die Überschwemmung bisher nicht betroffener Flächen direkt wirkt, sind z. B. „Klimaflüchtlinge“ indirekt für die Raum­entwicklung bedeutsam. Dieser Herausforderung soll durch das Prinzip eines Climate Adap­tation Mainstreaming begegnet werden.

Climate Adaptation Mainstreaming beinhaltet in Anlehnung an die Begriffsverwendung in der Entwicklungszusammenarbeit (OECD 2009; GTZ 2009) und das Begriffsverständnis beim Gender Mainstreaming (Europarat 1998) die Reorganisation, Verbesserung, Entwick­lung und Evaluation von Entscheidungsprozessen in allen Politik- und Arbeitsbereichen einer Organisation in Bezug auf die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels. Ziel des Climate Adaptation Mainstreaming ist es, in politischen Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen die Auswirkungen der zukünftigen klimatischen Veränderungen in die Abwägung mit einzubeziehen.

Der Begriff „Mainstreaming“, wörtlich übersetzt „Hauptströmung“, unterstreicht, dass die Anpassung an klimatische Veränderungen nicht nur auf die Durchführung gesonderter Maß­nahmen zu beschränken ist, sondern querschnittsorientiert in politischen Konzepten, Normen, Gesetzen und Richtlinien auf allen Ebenen Eingang finden soll. „Mainstreaming“ hat eine gewisse inhaltliche Nähe zum Begriff des Climate Proofing. Beispielsweise wird in der niederländischen Anpassungsstrategie formuliert, dass nicht nur die niederländische Raum­planung, sondern die Niederlande generell „climate proof“ zu machen sind, was dem Ver­ständnis des Climate Adaptation Mainstreaming entspricht

Climate Change Governance (dt.: Klimawandel-Governance)

Climate Change Governance beschreibt Diskursprozesse zwischen unterschiedlichen vom Klimawandel betroffenen Akteuren, um gemeinsam Anpassungsstrategien zu entwickeln und Entscheidungen über konkrete Maßnahmen vorzubereiten.

Da Entscheidungen über den Umgang mit Risiken – so auch Klimafolgen – letztlich Wertentscheidungen sind, ist die Akzeptanz dieser Entscheidungen außerordentlich wichtig. Dies trifft v. a. dann zu, wenn Entscheidungen unter Unsicherheit über Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß zu treffen sind (Asselt 2005; Biermann 2007).

Komplexität und Unsicherheit stellen Entscheidungsträger vor besondere Schwierigkeiten, da die Folgen von Entscheidungen nur sehr schwer oder gar nicht abzuschätzen sind. Hier werden Governance-Ansätze als Lösung angesehen, bei denen nicht alleine die kommunalen Behörden Träger der Prozesse der Stadtentwicklung sind, sondern bei denen es sich um politisch-gesellschaftliche Entscheidungsfindungen handelt, an denen nicht nur die Bevölkerung, sondern auch demokratische Gremien, andere Fachpolitiken und gesellschaftliche Kräfte, Wirtschaft und Wissenschaft beteiligt werden und hierarchielos in den Diskurs treten (Selle 1996). Unter Governance werden somit i. d. R. „neue“ Formen von Arrangements zur Steuerung, Regulierung und Handlungskoordination unter Einbeziehung verschiedener Akteure verstanden (Geißel 2007). Sie sind gekennzeichnet durch eine Form des Koordinierens politischer und gesellschaftlicher Interaktion, bezogen auf eine Steuerung und Regelung, die durch kooperative Koordinationsformen und durch das Merkmal der Horizontalität geprägt ist (Benz 2004) und sich von bisherigen hierarchischen Steuerungsformen (Government) unterscheiden (Holtkamp 2007).

Risk Governance zielt darauf ab, die gesellschaftliche (oder räumliche) Resilienz gegenüber Katastrophen zu vergrößern, und umfasst die Gesamtheit von Akteuren, Regeln, Übereinkommen, Prozessen und Mechanismen, die sich damit befassen, wie relevante risikobezogene Informationen gesammelt, analysiert und kommuniziert und wie Managemententscheidungen getroffen werden (IRGC 2005). Das Risiko-Governance-Konzept lässt sich auch auf den Bereich der lokalen Klimapolitik übertragen. Zwar handelt es sich bei Klimafolgen nicht allein um ein klassisches Risiko, sondern einerseits um eine Vielzahl von langfristigen Klimawirkungen, anderseits um die Zunahme und Verstärkung von Extremereignissen. Allen Klimawirkungen ist gemein, dass sie, wie bereits ausgeführt, von einer hohen Unsicherheit geprägt sind und folglich Entscheidungen von Misstrauen begleitet werden. Auch hier sollten Governance-Prozesse zur Erhöhung der Umsetzungsqualität von Anpassungsstrategien im Rahmen der Stadtentwicklungspolitik initiiert werden (Löfstedt 2005). In Abgrenzung zu dem eher auf Extremereignisse fokussierten Risikobegriff werden bei der „Klimawandel-Governance“ auch über konkrete Risiken hinausgehende (Wert-) Entscheidungen in den Prozess eingebunden.

Der Diskurs über Vorsorge- und Anpassungsstrategien zum Klimawandel umfasst zwei Dimensionen:

  1. Zum einen geht es darum, die Vielzahl relevanter Akteure in Politik und Verwaltung in diesen Diskursprozess einzubinden. Da es keine „Klimawandel-Fachplanung“ gibt, ergibt sich hier die Herausforderung zu klären, welchem Akteur welche Verantwortlichkeiten zugeordnet werden können. Daher muss grundsätzlich geklärt werden, welche Akteure in den Prozess des Klimaschutzes und der Klimaanpassung auf regionaler oder kommunaler Ebene eingebunden werden sollten.
  2. Zum anderen geht es um die partizipative Organisation des Diskursprozesses zwischen dem politisch-administrativen System und der Öffentlichkeit. Dabei ist es insbesondere wichtig, im Zusammenspiel mit der Öffentlichkeit problemadäquatere Lösungen und neue Ideen zu entwickeln, die Implementationsressourcen gesellschaftlicher Akteure zu nutzen und durch eine frühzeitige Beteiligung Implementationswiderstände zu verringern.

Dabei ist zu beachten, dass Governance-Prozesse Entscheidungen nur vorbereiten, jedoch nicht ersetzen können – zumindest solange diese Entscheidungen Drittbindungswirkung haben sollen. Am Ende steht letztlich normgebend wieder die politische Entscheidung.

Bei Governance-Ansätzen zum Klimawandel bestehen verschiedene Anforderungen, je nachdem, ob es sich um Klimaschutz (Climate Mitigation Governance) oder Klimaanpassung (Climate Adaptation Governance) handelt.

Climate Proofing (dt.: Sicherung gegenüber dem Klimawandel sowie Prüfverfahren zur Integration von Klimawandelfolgen)

Climate Proofing bezeichnet die systematische Berücksichtigung von Anpassungsfragen und die Entwicklung von Risikominderungsstrategien gegenüber klimabezogenen Extremereignissen sowie schleichenden Veränderungen. Dabei kann Climate Proofing sowohl im Sinne eines Prüfverfahrens verstanden werden als auch als generelle Strategie zur Sicherung von bestehenden Systemen (z. B. Infrastrukturen) oder als zukunftsorientierte Investition gegen die Folgen des Klimawandels.

Eine einheitliche Definition des Begriffs Climate Proofing gibt es bisher nicht. In der inter­nationalen Klimaanpassungsforschung und -politik finden sich drei Ausprägungen des Beg­riffs (Birkmann, Fleischhauer 2009):

  • Objektbezogen: Das weitaus häufigste Verständnis des Begriffs bezieht sich auf Objekte, die i. S. einer Anpassung an den Kimawandel gegenüber dessen Auswirkungen abgesi­chert oder geschützt werden sollen. Dabei erstreckt sich der Begriff beispielsweise auf einzelne Infrastrukturen oder Sektoren wie Landwirtschaft.
  • Prozessbezogen: In diesem Sinn wird der Begriff zur Beschreibung von Planungs- und Entscheidungsprozessen (Prüfverfahren) verwendet, die resiliente Raumstrukturen gegenüber zukünftigen Klimafolgen zum Ziel haben.
  • Subjektbezogen: Ein weiteres Begriffsverständnis orientiert sich an den handelnden Sub­jekten. In diesem Sinne geht es darum, dass vom Klimawandel betroffene Akteure z. B. Kenntnisse erwerben, um das Ergebnis ihrer Handlungen an die veränderte Situation durch den Klimawandel anzupassen. Ein Beispiel wäre die Qualifizierung von Landwir­ten, damit diese besser mit Dürre/Trockenheit umgehen können.

Für klimabezogene schleichende Veränderungen entspricht Climate Proofing dem Nach­haltigkeitsprinzip, für Extremereignisse handelt es sich letztlich um eine Erweiterung des Nachhaltigkeitsprinzips um die Dimension der Katastrophenresistenz (BMVBS, BBSR 2009; Greiving 2002).

Eine der ersten wissenschaftlichen Forderungen nach einem Climate Proofing wurde von Kabat et al. (2005) formuliert. Sie beziehen sich dabei allerdings ausschließlich auf die An­passung an den Klimawandel, wohingegen andere Autoren auch Aspekte des Klimaschutzes unter dem Stichwort Climate Proofing mitbehandeln. Kabat et al. (2005) definieren Climate Proofing dabei wie folgt: „Climate proofing does not mean reducing climate-based risks to zero – an unrealistic goal for any country. The idea is to use hard infrastructure to reduce risks to a quantified level, accepted by the society or economy. This risk can be further combated by ‚softer’ measures, such as insurance schemes or, as a last resort, evacuation plans. Such climate proofing should be driven by opportunities for technological, institutional and societal innovations, rather than purely by fear of the negative effects of climate change” (Kabat et al. 2005: 283).

Die in der internationalen Diskussion vertretenen Definitionen von Climate Proofing spie­geln aber letztlich die Sorge wider, dass existierende Strukturen, Verhaltensweisen und Sys­teme nicht mehr langfristig als „sicher“ gelten können. Damit verbunden ist die Forderung, Strukturen, Prozesse, Systeme usw. so auszugestalten, dass sie weniger verwundbar sind (siehe Vulnerabilität) und trotz unvorhergesehener, plötzlicher Änderungen weiter existie­ren und funktionieren, sei es, weil sie (1) besonders robust („resistant“), (2) besonders flexi­bel/fehlertolerant („resilient“) oder (3) besonders rückzugsfähig („able to retreat“) sind.

Für die räumliche Planung und Raumentwicklung in Deutschland lässt sich somit als erste Annäherung folgende Definition und Abgrenzung des Begriffs Climate Proofing ableiten: „Unter ‚Climate Proofing’ sind Methoden, Instrumente und Verfahren zu verstehen, die absi­chern, dass Pläne, Programme und Strategien sowie damit verbundene Investitionen gegen­über den aktuellen und zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels resilient und anpas­sungsfähig gemacht werden, und die zudem auch darauf abzielen, dass die entsprechenden Pläne, Programme und Strategien dem Ziel des Klimaschutzes Rechnung tragen“ (Birkmann, Fleischhauer 2009: 118).

In einem engen Verständnis handelt es sich bei Climate Proofing um ein reines Prüfverfah­ren, bei dem die Umsetzung der Ergebnisse nicht Gegenstand des Verfahrens ist. In der aktu­ellen Diskussion werden in einem weiteren Verständnis des Begriffs Climate Proofing unter dem Prüfverfahren auch Methoden und Projekte subsummiert, die die Berücksichtigung ent­sprechender Klimaanpassungsfragen in Plänen und Programmen ermöglichen. Insgesamt be­zieht sich Climate Proofing damit einerseits auf neue Aspekte der Planung und der Planprüf­verfahren, andererseits umfasst es auch neue Wertmaßstäbe, die die Frage, was klimaange­passte Raumentwicklung konkret bedeutet, für die jeweilige Region oder Kommune konkreti­sieren muss. Ob dafür ein neues Plan- und Prüfverfahren notwendig ist oder diese Anforde­rungen in bestehende Prüfverfahren (insb. in die Strategische Umweltprüfung) integriert wer­den können, ist damit nicht beantwortet, sondern wird sich in der Praxis erweisen müssen.

e
Eignungsgebiet

Vgl. Vorrang-, Vorbehalts-, Eignungsgebiet.

Exposition

Unter Exposition ist zu verstehen, dass Subjekte, Objekte und Systeme den Einwirkungen des Klimawandels und seinen Folgen räumlich und zeitlich ausgesetzt sind.

Unter Ausgesetztsein werden der Aufenthalt von Personen sowie die Lage von Lebensgrundlagen, Ökosystemdienstleistungen und Naturressourcen, Infrastrukturen oder wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Werten in Gebieten verstanden, welche durch die Einwirkungen des Klimawandels negativ beeinflusst werden können (IPCC 2012). Aus Sicht der Raumplanung gibt die Exposition insofern an, inwieweit einzelne Raumnutzungen, die potenziell oder tatsächlich anfällig sein können, dort liegen, wo mit Klimaänderungen und deren Folgen zu rechnen ist.

Exposition wird in einigen Risiko- und Vulnerabilitätskonzepten als Bestandteil der Vulnerabilität angesehen (vgl. Turner et al. 2003; Birkmann 2006), wohingegen andere Konzepte Exposition als eigenständigen Faktor außerhalb der Vulnerabilität definieren (vgl. u. a. IPCC 2012). Insgesamt ist die Exposition ein Bindeglied zwischen der räumlichen und zeitlichen Ausprägung der Naturgefahr einerseits und der räumlichen und zeitlichen Verteilung von Menschen, Raumnutzungen und Infrastrukturen andererseits.

Während beispielsweise aufgrund einer generellen Auflistung von exponierten Infrastruktureinrichtungen noch keine Aussage zur Vulnerabilität getroffen werden kann, können über den Anteil der exponierten Elemente des Gesamtsystems auch erste Hinweise auf die Verwundbarkeit gegeben werden. Zentral ist allerdings, dass die Exposition allein in keinem der Ansätze ein hinreichendes Kriterium der Vulnerabiltät darstellt.

Extremwetterereignis

Ein Extremwetterereignis ist ein mit extremen Wetterbedingungen wie Hitze, Sturm oder Starkniederschlag verbundenes Ereignis, das am gegebenen Ort und zur gegebenen Jahres­zeit selten ist (vgl. IPCC 2012).

Definitionsgemäß ist die Charakteristik von „Extremwetter” von Ort zu Ort unterschiedlich und die Definitionen für „selten” variieren. Üblicherweise ist ein Wetterereignis „extrem“, wenn es außerhalb des Bereichs zwischen dem 10. und 90. Perzentil der beobachteten Wahr­scheinlichkeitsverteilung liegt (IPCC 2007b). In der Raum- und Fachplanung ist es auch üblich, seltene Ereignisse mit langen Wiederkehrperioden bzw. einer hohen Jährlichkeit zu verbinden, z.B. HQ500 für fünfhundertjährige Ereignisse. Im Gegensatz zu Extremereignis­sen, die nicht mit Wetterbedingungen zusammenhängen (z.B. Erdbeben), kann sich allerdings die Wahrscheinlichkeitsverteilung für Extremwetterereignisse und damit die Jährlichkeit in­folge von Klimaänderungen ebenfalls verändern. Folglich kann es durch den Klimawandel zu einer Veränderung von Ausmaß und Häufigkeit von Extremwetterereignissen kommen. Ein­zelne Extremwetterereignisse können ohne Kenntnis der Wahrscheinlichkeitsverteilung nicht einfach und direkt dem Klimwandel zugeordnet werden, da immer eine – wenn auch kleine – Wahrscheinlichkeit besteht, dass das betreffende Ereignis auch natürlicherweise hätte auftre­ten können.

i
Instrumente der Raumplanung (im Rahmen von Anpassungsstrategien)

Instrumente der Raumplanung dienen u.a. der Umsetzung von Anpassungsstrategien an die Folgen des Klimawandels. Damit kann die Raumplanung als integrative Querschnittsaufgabe eine Vorreiterrolle bei der Ent­wicklung von anpassungsfähigen und resilienten Raumstrukturen überneh­men.

Zur Umsetzung von Anpassungsstrategien sind konkrete Maßnahmen und/oder Instrumente (die beiden Begriffe werden in der Literatur nicht immer klar getrennt; s. Hübler 2005) not­wendig. Instrumente sind Mittel zur Realisierung oder Implementierung von Planungen bzw. planerischen Strategien. Der Raumplanung steht ein sehr breites Spektrum formeller und in­formeller Instrumente zur Verfügung. Während formelle Instrumente, i. d. R. gesetzlich nor­miert, zur Umsetzung der Planung (z. B. Bindungswirkung der Ziele der Raumordnung, An­passungspflicht der kommunalen Bauleitplanung) und v. a. der mittel- bis langfristigen Rah­mensetzung der Raumentwicklung dienen, zielen informelle Instrumente auf den Einbezug unterschiedlicher Akteure, auf Konsens und Kooperation, und sollen zur Vorbereitung, Er­gänzung und Realisierung formeller Planung beitragen. Zu den informellen Instrumenten zählen z. B. Leitbilder, Regionale Entwicklungskonzepte oder Modellvorhaben der Raumordnung (MORO). Als formelle Instrumente der Raumordnung werden u. a. die in Plänen getroffenen Festlegungen zur überörtlichen Raumstruktur (wie z.B. Vorrang-, Vorbehalts- oder Eig­nungsgebiete) bezeichnet (Hübler 2005).

m
Mitigation

Vgl. Klimaschutz.

r
Resilienz (engl.: resilience)

Als Resilienz wird u. a. in der Ökologie die Fähigkeit von Ökosystemen beschrieben, Schocks und Störungen zu absorbieren und zentrale Funktionen in einem System auch in der Zeit von Stresseinwirkungen möglichst zu erhalten (Holling 1973; Folke 2006).

Das Resilienz-Konzept wurde in der Ökologie maßgeblich von C. S. Holling geprägt. Es wird heute auch auf soziale bzw. sozio-ökonomische und sozio-ökologische Systeme an­gewendet und wurde in dieser Hinsicht deutlich weiterentwickelt (u.a. Berkes et al. 2003; Brand, Jax 2007; Birkmann 2008).

Analog zur ökologischen Pufferkapazität ist mit Resilienz einerseits die Fähigkeit eines Systems gemeint, auch unter dem Einfluss externer Schocks und Störungen zentrale Funktionen aufrechtzuerhalten (Robustheit). Andererseits umfasst Resilienz die Fähigkeit zur Wiederherstellung des Systems („bounce back“) nach der Einwirkung von Störungen und Schocks und die Weiterentwicklung im Sinne von Lern- und Reorganisationsprozessen. Die in der englischsprachigen Literatur mit „recovery“ oder „coping capacity“ bezeichnete Eigenschaft ist gleichzusetzen mit der Bewältigungs­kapazität. Das Konzept der „engineering resilience“ (Hollnagel et al. 2006) betont diese Eigenschaft und misst sie anhand der Zeitspanne bis zur Wiedererlangung des Ausgangs­zustandes. In diesem Sinne erholt sich ein System von den Folgen einer Krise umso schneller, je resilienter es ist. Wegen der zugrunde liegenden Gleichgewichtsvorstellung (Annahme sta­biler Systeme, Rückkehr zum Ausgangszustand zurückgehend auf Pimm 1984) kritisieren et­liche Autoren (u.a. Folke 2006) eine Einschränkung des Resilienzbegriffs auf Robustheit und Bewältigungskapazität und beziehen eine Lernfähigkeit als dritte Dimension von Resilienz mit ein. Demnach ist ein resilientes System in der Lage zu lernen und sich veränderten (Um­welt-)Bedingungen anzupassen. Diesem sehr weitgefassten Begriffsverständnis folgend ver­fügt ein resilientes System oder eine resiliente Gesellschaft über eine hohe Anpassungs­kapazität und ist in der Lage, sich sowohl reaktiv als auch proaktiv an sich wandelnde Um­weltbedingungen anzupassen.

Eine klima-resiliente Raumentwicklung zielt daher nicht allein auf die Entwicklung ro­buster und widerstandsfähiger Strukturen, sondern sollte auch i.S. einer gezielten Reorgani­sationsphase Veränderungen in Richtung einer anpassungsfähigen Raumstruktur fördern.

Risiko

Risiko kann als die Wahrscheinlichkeit negativer Konsequenzen verstanden werden (vgl. WBGU 1999; UN/ISDR 2004; Schanze 2006). Darüber hinaus wird Risiko als Produkt der Interaktion bzw. des Zusammentreffens einer Gefahr (z. B. natürlicher Prozesse wie Starkregenereignisse) mit der gesellschaftlichen Vulnerabilität verstanden (vgl. UN/ISDR 2004; Birkmann 2006).

Mit Risiken werden zudem mögliche Folgen von Handlungen bezeichnet, die im Urteil der über­wiegenden Zahl der Menschen als unerwünscht gelten. Daher umfasst Risiko immer auch ein normatives Konzept, wonach die Gesellschaft angehalten ist, Risiken zu erkennen, zu vermei­den oder zumindest zu verringern (WBGU 1999). Im Rahmen des Klimawandels könnten Ri­siken insbesondere aufgrund einer Zunahme der Gefahrenkomponenten sowie durch die Zunahme gesellschaftlicher Vulnerabilität und Exposition eine verstärkte Bedeutung erfahren (vgl. IPCC 2012). Auf globaler Ebene führt z. B. die zunehmende Urbanisierung von Küstenregionen, die von möglichen Einflüssen des Meeresspiegelanstiegs negativ betroffen sein könnten, zu einer erhöhten Exposition von Bevölkerung gegenüber solchen potenziellen Gefahren. Zudem können beispielsweise bestimmte sozial selektive Migrationsprozesse oder die Nicht-Einhaltung von Bauvorschriften bezogen auf Vorsorgestandards für Sturm- und Hochwasserereignisse eine Zunahme der Vulnerabilität von Menschen und physischen Strukturen bedeuten.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) betont des Weiteren, dass Risiko ein „mentales Konstrukt“ zur näheren Bestimmung von Gefahren und zur Ordnung nach dem Grad der Bedrohung ist (WBGU 1999). Damit wird die wertende Dimension verdeutlicht, die bei der Bestimmung und Definition von Risiken vielfach erforderlich ist.

Das Begriffsverständnis des IPCC (2007a) in Bezug auf Risiko war in der Vergangenheit relativ unbestimmt. In den neuesten Berichten nähert es sich dem der Naturrisikoforschung an (Schanze, Daschkeit, 2012). UN/ISDR (United Nations International Strategy for Disaster Reduction) beispielsweise versteht Risiko als die Wahrscheinlichkeit negativer Konsequenzen oder Verluste (z. B. Todesfälle, Zerstörung von Besitztümern), die aus dem Zusammentreffen von natürlich oder anthropogen verursachten Gefahren und vulnerablen Gegebenheiten resultieren (UN/ISDR 2004).

Im Sinne der Risikovorsorge können die raumbedeutsamen Planungen ansetzen bei der Standortwahl von Gefahrenquellen, der Exposition vulnerabler Objekte, Subjekte oder Systeme (Schutzgüter) sowie der Reduzierung der Vulnerabilität der exponierten Entitäten.

Mit der Identifizierung von „Risikoraumtypen“ kann die Raumordnungspolitik wesentliche Informationen für Entscheidungsträger in der Wirtschaft (z. B. für Versicherungen oder Standortentscheidungen), der Verwaltung sowie in anderen Bereichen der Politik und Gesellschaft liefern (Hecht 2003).

Robustheit

Robustheit gibt die Fähigkeit eines Systems an, Veränderungen gegenüber standzuhalten.

Vor dem Hintergrund der Unsicherheit des Verlaufs des Klimawandels kann ein System als robust gelten, wenn es gegenüber einem breiten Spektrum möglicher Klimaveränderungen mit deren Folgen unempfindlich reagiert. Bei der Bewertung von Handlungsalternativen der Klimaanpassung unter unsicheren Entwicklungen stellt Robustheit (robuste Raumstrukturen und Raumfunktionen) ein wichtiges Kriterium dar (Hallegatte 2009; Lempert et al. 2006). Im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie wird der Raumplanung durch die Entwicklung einer robusten Raumstruktur gegenüber allen gesellschaftlichen Verände­rungsprozessen eine wichtige Rolle zugesprochen (Bundesregierung 2008). Insbesondere im Hinblick auf Unsicherheiten bzgl. der zukünftigen Entwicklung des Klimawandels und seiner Folgen sind robuste Raumelemente und Raumstrukturen von großer Bedeutung, um unterschiedlichen Szenarien Rechnung tragen zu können.

In der aktuellen Diskussion zur Anpassung von Räumen an den Klimawandel ist jedoch auch zu prüfen, wie sich Strategien robuster Raumstrukturen mit der Zielsetzung flexibler Raumstrukturen vertragen.

Robustheit wird außerdem als ein Kriterium für die Beurteilung von Klimaanpassungsmaßnahmen verwendet. Sie bezeichnet dann die Wirkung von Instrumenten und Maßnahmen unter verschiedenen Randbedingungen, wie sie sich insbesondere aus alternativen Emissionsszenarien und Klimamodellen ergeben (Schanze, Sauer 2012).

s
Schaden

Schaden bezeichnet die Zerstörung und Minderung von konkreten oder abstrakten Werten.

Die Folgen von Extrem(wetter)ereignissen in vulnerablen Räumen und Gesellschaften sind oftmals negative Veränderungen, die als Schäden wahrgenommen werden. Dazu gehören der Verlust von geldwerten Gütern, aber auch gesundheitliche Beeinträchtigungen, negative psy­chische oder soziale Auswirkungen sowie der Verlust von Menschenleben (SKK 2006; Dikau, Pohl 2007).

Die Wahrnehmung eines Schadens braucht immer ein bewertendes Subjekt – der Scha­densbegriff ist damit anthropozentrisch angelegt (WBGU 1999). Die Verwendung des Scha­densbegriffs in den Medien ist aber mit Vorsicht zu betrachten: Beispielsweise wird bei To­desfällen meist nicht von „Schäden“ gesprochen, auch wenn aus humanitärer Sicht durch je­den Tod eines Menschen ein Schaden entsteht. Schäden lassen sich selten allein in Geldwer­ten hinreichend ausdrücken, dennoch ist eine objektive Schadensbestimmung üblich, etwa für die Zahlungsleistung einer Versicherung (Dikau, Pohl 2007; GDV 2010).

Entscheidend für das Ausmaß der Schäden sind auch die jeweils vorliegenden Raumstruk­turen, die im Einflussbereich der Raumplanung liegen, sodass der raumplanerischen Risi­kovorsorge insbesondere im Rahmen des Klimawandels sowie des globalen Umweltwandels eine neue Bedeutung zukommt (vgl. z.B. ARL 2009; Birkmann 2008; Hecht 2005). Selbst wenn keine weiteren Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Risikozonen in Anspruch genommen werden, kann es zu einer Erhöhung des Schadenspotenzials kommen. Dies kann einerseits durch einen Anstieg der Werte in bestehenden Siedlungs- und Raumstrukturen be­dingt sein, andererseits durch die Verschiebung und Erweiterung der räumlichen Einflussbe­reiche von klimabezogenen Naturgefahren.

Schutzgut

Als Schutzgut kann im Allgemeinen alles aufgefasst werden, was aufgrund seines materiellen oder ideellen Wertes vor einem Schaden geschützt werden soll.

Die konkrete Bestimmung von Schutzgütern hängt immer vom Kontext der Ereignisse und von den Auswirkungen (Gefahr) ab, vor denen ein Schutz erfolgen soll.

Eine Konkretisierung von Schutzgütern zur wirksamen Umweltvorsorge in Bezug auf Auswirkungen von öffentlichen und privaten Vorhaben und Plänen erfolgt im Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Dieses definiert die in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Strategischen Umweltprüfung (SUP) zu betrachtenden Schutzgüter:

  • Menschen (einschließlich der menschlichen Gesundheit), Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt
  • Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft
  • Kulturgüter und sonstige Sachgüter
  • die Wechselwirkung zwischen den vorgenannten Schutzgütern (vgl. u. a. Scholles 2008)

Unter dem Schutzgut Klima werden hierbei bislang die lokalen bioklimatischen Funktionen verstanden, die von öffentlichen und privaten Vorhaben und Plänen beeinflusst werden können. Definitorisch geht es hierbei nicht um Klimaschutz i. S. der Reduktion von Treibhausgasen. Im Zuge des Klimawandels können vielerorts die Gefahren für einzelne Schutzgüter aufgrund von häufigeren oder heftigeren Extremwetterereignissen steigen. Dieser Zusammenhang ist vom UVPG jedoch nicht erfasst. Daher wird eine Erweiterung von UVP/SUP i. S. eines Climate Proofing diskutiert

Szenarien

Szenarien sind kohärente, konsistente und plausible Beschreibungen möglicher zukünftiger Verhältnisse einschließlich des Verlaufs ihrer Entstehung (vgl. Alcamo 2008; Greeuw et al. 2000). Sie basieren auf Annahmen. Die Beschreibung kann in qualitativer und quantitativer Form erfolgen.

Szenarien beschränken sich meist zunächst auf die zukünftige Entwicklung eines bestimmten Bereichs (z.B. Demographie, Technologie), die entsprechenden Beschreibungen können dann aber sukzessive und kohärent zu umfassenderen Szenarien zusammengefasst werden (vgl. Schanze et al. 2012). Die zur Berechnung des zukünftigen Klimawandels erstellten Szenarien basieren auf Annahmen über die demographische, sozio-ökonomische, politische und technologische Entwicklung, wie z.B. Annahmen über Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch, Art der Energiegewinnung und Landnutzungsänderungen. Von diesen Annahmen hängen die kli­marelevanten Eigenschaften von Atmosphäre und Landoberfläche ab. Ein Beispiel sind die sog. SRES-Emissionsszenarien, die als Basis für die Berechnung der Klimaprojektionen in den IPCC Berichten von 2001 bis 2007 verwendet wurden („Special Report on Emissions Scenarios“). Die zukünftigen Emissionen – von denen das Ausmaß des Klimawandels ab­hängt – sind von einer Vielzahl ökonomischer, sozialer und politischer Entwicklungen abhän­gig, die grundsätzlich nicht vorhersagbar sind, sodass die Betrachtung einer großen Band­breite von Annahmen über die künftige Entwicklung notwendig ist. Die SRES-Szenarien be­rücksichtigen – differenzierter als vorherige Szenarien – die möglichen alternativen Entwick­lungen in den Bereichen Bevölkerungswachstum, ökonomische und soziale Entwicklung, technologische Veränderungen, Ressourcenverbrauch und Umweltmanagement jeweils bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Folgende Begriffe sind zum Verständnis der SRES-Szenarien wichtig:

  • Eine Szenarienfamilie ist eine Gruppe von Szenarien, denen eine ähnliche demographi­sche, gesellschaftliche, wirtschaftliche und den technologischen Wandel betreffende Mo­dellgeschichte zugrunde liegt. Das SRES-Szenarienset (insgesamt 40 Szenarien) umfasst vier Szenarienfamilien: A1, A2, B1 und B2. Abb. 2 gibt eine grafische Übersicht über die vier Szenarienfamilien (weitere Informationen unter www.ipcc.ch oder auf deutsch unter www.hamburger-bildungsserver.de/klima)
  • Ein illustratives Szenario ist ein Szenario, das jeweils eine der sechs Szenariengruppen repräsentiert Die Szenarienfamilie A1 umfasst die drei Szenariengruppen A1FI, A1B und A1T, die unterschiedliche Grade des zukünftigen Umbaus der Energiesysteme – von „fossil intensive“ (FI) über „balanced“ (B) bis „non-fossil“ (T) – abbilden; den übrigen Szenarienfamilien entspricht jeweils eine Szenariengruppe. Alle Szenariengruppen sind gleich „wahrscheinlich“.
  • Eine Modellgeschichte ist erzählende Beschreibung eines Szenarios (oder einer Szena­rienfamilie), die dessen Haupteigenschaften und die Zusammenhänge zwischen den Haupteinflussfaktoren und deren Entwicklungsdynamik hervorhebt.

Abb. 2: Schematische Darstellung der Szenarienfamilien des IPCC Special Report on Emissions Scenarios

Quelle: IPCC 2001a

t
Treibhausgase (engl.: green house gases)

Treibhausgase sind gasförmige Bestandteile der Atmosphäre (sowohl natürlichen wie anthro­pogenen Ursprungs), die die Strahlung, die von der Erdoberfläche, der Atmosphäre selbst und den Wolken abgestrahlt wird, in spezifischen Wellenlängenbereichen innerhalb des Spektrums der thermischen Infrarotstrahlung absorbieren und wieder ausstrahlen.

Wasserdampf (H2O), Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O), Methan (CH4) und Ozon (O3) sind die wichtigsten (auch natürlich vorkommenden) Treibhausgase in der Atmosphäre. Daneben gibt es eine Vielzahl ausschließlich anthropogener Treibhausgase wie z. B. Halogenkohlen­wasserstoffe und andere chlor- und bromhaltige Substanzen. Neben CO2, N2O, und CH4 er­fasst das Kyoto-Protokoll auch Schwefelhexafluorid (SF6), Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKWs) und perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKWs) (IPCC 2007c).

Die Treibhausgase heben durch den sog. Treibhauseffekt die durchschnittliche Temperatur auf der Erdoberfläche an: Die kurzwelligen Sonnenstrahlen erwärmen die Erdoberfläche. Diese gibt langwellige Infrarotstrahlung ab, welche von den Treibhausgasen aufgenommen wird und zurück zur Erdoberfläche gesendet wird. Dadurch gelangt weniger Energie ins Weltall und die Temperatur auf der Erdoberfläche steigt. Durch den Temperaturanstieg nimmt die Wärmestrahlung der Erde zu und das Strahlungsgleichgewicht wird wieder hergestellt. Man unterscheidet zwischen dem natürlichen Treibhauseffekt, der seit Entwicklung der Erd­atmosphäre immer stattfindet und das Leben auf der Erde erst ermöglicht hat (ohne natürliche Treibhausgase läge die globale Mitteltemperatur momentan bei etwa -15 °C), und dem zu­sätzlichen anthropogenen Treibhauseffekt (Rahmsdorf, Schellnhuber 2006; Endlicher, Gers­tengarbe 2007).

Die Stärke des Einflusses eines Treibhausgases hängt von zwei Größen ab. Erstens von der Konzentration des Gases in der Atmosphäre und zweitens von der Treibhauswirksamkeit des Gases. Die Treibhauswirksamkeit ist eine Maßzahl für die relative Wirkung einzelner Treib­hausgase im Vergleich zu CO2. Als Maßeinheit dient daher das CO2-Äquivalent bzw. Treib­hauspotenzial. Tab. 2 zeigt die wichtigsten (anthropogenen) Treibhausgase und ihre Bedeu­tung.

Tab. 2: Ausgewählte Treibhausgase im Überblick

 

CO2

CH4

N2O

FCKW

Prozentanteil der anthropogenen Emissionen am gesamten Stoff­fluss in der Atmosphäre

5

70

40

100

Mittlere Lebenszeit in Jahren nach anthropogener Emission

50-200

15

120

100

Relatives Treibhauspotenzial für einen Zeithorizont von 100 Jah­ren (CO2-Äquivalent)

1

25

300

>4000

Prozentanteil am natürlichen Treibhauseffekt

22

2

4

0

Prozentanteil am anthropogenen Treibhauseffekt

60

15

4

11

Anthropogene Emissionsorte der Gase

Verbrennung fossiler Ener­gieträger

½ Land-Forstwirt­schaft,

½ Industrie

Landwirtschaft

Chemische Industrie

Quelle: Endlicher, Gerstengarbe 2007

u
Unsicherheit

Unsicherheit ist ein Ausdruck für das Ausmaß, in dem ein Wert, Zustand oder Prozess unbekannt ist (IPCC 2012; z. B. der zukünftige Zustand des Klimasystems, der zukünftige Zustand der Gesell­schaft).

Unsicherheit kann viele Quellen haben, von bezifferbaren Fehlern in Daten über mehrdeutig formulierte Konzepte und Terminologien bis hin zu unsicheren Projektionen über mensch­liches Verhalten und gesellschaftliche Entwicklung. Unsicherheit kann deshalb entweder quantitativ angegeben werden, z. B. durch eine Spannweite von berechneten Werten aus ver­schiedenen Modellen, oder durch qualitative Aussagen, die das Urteil eines Expertenteams wiedergeben (IPCC 2007a).

In Bezug auf die Auswirkungen des Klimawandels gibt es aus verschiedenen Gründen eine vergleichsweise große Unsicherheit (s. Abb. 1 bei Klimaprojektionen), sodass sich derzeit zwar Trendaussagen machen lassen, das genaue Ausmaß des Klimawandels und seiner Aus­wirkungen (direkte und indirekte Folgen) jedoch nicht bekannt ist:

  • Den Klimaprojektionen liegen Annahmen zur zukünftigen sozio-ökonomischen Ent­wicklung in Form von Szenarien zugrunde.
  • Unterschiedliche Klimamodelle (global/regional) liefern unterschiedliche Ergebnisse (v. a. klimatische Extremereignisse sind schwer vorhersagbar)
  • Die Wirkung von sich wandelnden Klimaparametern auf Ökosysteme, Gesellschaften (in­klusive einzelner Raumnutzungen) und den Menschen sind sehr komplex.

Planung bedeutet grundsätzlich, zwischen Alternativen abzuwägen. Dabei besteht immer – auch bei guter Datengrundlage – ein gewisses Risiko, dass Entwicklungen anders verlaufen als vorhergesehen. Wichtige Ansatzpunkte zum Umgang mit Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Klimawandel sind:

  • Einbezug der Bandbreite möglicher Entwicklungen in planerische Konzepte
  • Berücksichtigung des generellen Ziels der Reduktion der Vulnerabilität gegenüber Ex­tremereignissen
  • Entwicklung resilienter, d. h. anpassungsflexibler Raumstrukturen und Verfolgung von No-Regret-Strategien, d. h. Konzentration auf Strategien und Maßnahmen, die unter un­terschiedlichen Entwicklungen zielführend sind
  • Einbezug der Öffentlichkeit bei der Bestimmung von Anpassungszielen, um gerade auf­grund der Unsicherheiten und des Nicht-Wissens eine höhere Akzeptanz in der breiten Bevölkerung anzustreben bzw. zu erzielen (Climate Change Governance)

Auch bei intensiver weiterer Forschung zum Klimawandel wird eine erhebliche Unsicher­heit bzgl. der Folgen des Klimawandels bestehen bleiben. Planungsinstrumente und planeri­sche Strategien sind folglich so weiterzuentwickeln, dass sie dieser Unsicherheit Rechnung tragen können (Anpassungsstrategien). So empfiehlt auch der Beirat für Raumordnung die Flexibilisierung von Raumplanung und deren Instrumentenset, beispielweise durch den Einsatz von Szenariotechniken (Beirat für Raumordnung 2008).

v
Vorrang-, Vorbehalts-, Eignungsgebiet

Vorrang-, Vorbehalts- und Eignungsgebiete sind Instrumente der Raumordnung, die der Widmung von Flächen für bestimmte Nutzungen dienen und in der Landes- und insbesondere Regionalplanung festgelegt werden. Mit dem Einsatz dieser Instrumente ist gleichzeitig die Festlegung von Zielen oder Grundsätzen der Raumordnung verbunden, die auch den Umgang mit dem Klimawandel betreffen können.

Die drei Gebietstypen, die auch als Raumordnungsgebiete bezeichnet werden, sind in § 8 Abs. 7 Raumordnungsgesetz (ROG) definiert.

In einem Vorranggebiet gemäß § 8 Abs. 7 Nr. 1 ROG, das für eine bestimmte raumbedeut­same Nutzung vorgesehen ist, sind andere raumbedeutsame Nutzungen ausgeschlossen, so­weit sie mit der vorrangigen Raumnutzung unvereinbar sind. Vorranggebiete haben somit den Charakter von Zielen der Raumordnung, d.h. sie sind endgültig abgewogen und müssen beachtet werden (Scholich 2005).

Demgegenüber haben Vorbehaltsgebiete gemäß § 8 Abs. 7 Nr. 2 ROG den Charakter von Grundsätzen der Raumordnung und sind damit der Abwägung zugänglich; die jeweils festge­legten Nutzungen müssen in der Abwägung berücksichtigt werden, ihnen kommt ein besonde­res Gewicht zu (ebd.).

Eignungsgebiete gemäß § 8 Abs. 7 Nr. 3 ROG bezeichnen Gebiete, die für bestimmte raumbedeutsame Funktionen geeignet sind und gleichzeitig diese Nutzungen an anderer Stelle im Planungsgebiet ausschließen. Der Charakter eines Ziels der Raumordnung entfaltet sich also im Gegensatz zum Vorranggebiet nicht im Eignungsgebiet selbst, sondern bezieht sich auf die nicht geeigneten Flächen außerhalb des Eignungsgebietes (ebd.).

Über die unabhängige Festlegung der drei Instrumente hinaus ist eine Kombination von Vor­rang- und Eignungsgebiet gemäß § 8 Abs. 7 Satz 2 ROG für eine bestimmte Nutzung auf ein und derselben Fläche möglich. In den einzelnen Bundesländern werden die Instrumente in der Planungspraxis z.T. unterschiedlich intensiv eingesetzt.

Eine Vielzahl der Anwendungsbereiche dieser Instrumente der Raumplanung auf überörtlicher Ebene steht mit dem Klimawandel in Zusammenhang. Vorrang- und Eignungsgebiete für Windenergie, in einigen Bundesländern bzw. Regionen auch für Freiflächen-Photovoltaikanlagen, leisten wichtige Beiträge zum Ausbau erneuerbarer Energien und damit zum Klimaschutz (BMVBS 2010). Allerdings muss auch Erwähnung finden, dass die Möglichkeit besteht, im Zusammenhang mit Vorrang- und Eignungsgebieten sog. Ausschlussgebiete festzulegen.

Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für den vorbeugenden Hochwasserschutz, für Natur und Landschaft, zur Sicherung von Wäldern oder der Landwirtschaft und für den Grundwasser­schutz beziehen sich auf Aufgabenfelder mit vielfach hohem Anpassungsbedarf an die Folgen des Klimawandels (ebd.). So kann die Festlegung von entsprechenden Gebieten dazu beitra­gen, Schadensrisiken (z.B. durch Hochwasser) zu reduzieren. Flächen für wichtige Ressour­cen (z.B. Biodiversität, Grundwasser), die Veränderungen durch den Klimawandel unterlie­gen, können durch dieses Instrumentarium langfristig gesichert werden. Ebenso können Be­reiche für Nutzungen, die durch den Klimawandel ggf. nicht mehr überall ausgeübt werden können (z.B. landwirtschaftliche Nutzung aufgrund von Wassermangel) oder die besondere Funktionen erfüllen (z.B. Bannwälder als Schutz vor Lawinen oder Hangrutschungen), gesi­chert werden. Vorrang-, Vorbehalts- und Eignungsgebiete können also wichtige Beiträge zur vorsorgenden Anpassung an den Klimawandel leisten. Dabei sollte auch die langfristige Entwicklung der jeweiligen Funktionen und Räume betrachtet werden.

Vulnerabilität (auch: Verwundbarkeit, engl.: vulnerability)

Vulnerabilität umfasst physische, soziale, ökonomische, umweltbezogene und institutionelle Strukturen und Prozesse, die die Anfälligkeit sowie die Bewältigungs- und Anpassungskapazitäten eines Systems oder Objekts hinsichtlich des Umgangs mit Gefahren – wie z. B. Klimawandeleinflüssen – bedingen.

Der englische Begriff „vulnerability“ kann mit „Verwundbarkeit“ übersetzt werden. Die häu­fig verwendete Übersetzung mit „Anfälligkeit“ greift jedoch zu kurz, da Vulnerabilität nicht allein die nachteiligen Charakteristika eines Raumes, Systems oder von Personen umfasst, sondern auch ihre Handlungskapazitäten in Form von Bewältigungs- und Anpassungsprozessen. Teilweise wird auch die Exposition als Teil der Vulnerabilität betrachtet.

In verschiedenen Denkschulen der Risiko- und Klimaanpassungsforschung finden sich sehr unterschiedliche Interpretationen des Begriffs. Zahlreiche Definitionen stimmen allerdings darin überein, dass der Begriff der Vulnerabilität vorrangig die gesellschaftliche oder „interne“ Seite des Risikos oder der Klimawirkung bezeichnet. Das heißt, das Konzept der Vulnerabilität ist ein deutliches Gegengewicht zu der Vorstellung, dass Katastrophen und Risiken primär aus Umweltveränderungen und Naturereignissen resultieren. Das Konzept und seine Anwendung zeigen, dass nicht allein die Belastung durch Klimaänderungen bzw. Extremwetterereignisse (Hitzestress, Hochwasser, Dürren etc.) für entsprechende Probleme und Risiken verantwortlich ist, sondern dass der Zustand und die Prozesse in einer Gesellschaft, einem System oder einem Raum – d. h. die Anfälligkeit (Sensitivität), Bewältigungskapazität und Anpassungskapazität – darüber entscheiden, ob eine Umweltveränderung oder ein Naturereignis zum Risiko oder gar zu einer Katastrophe werden kann.

Vulnerabilität konstituiert sich nach der Denkschule der Naturrisikoforschung über die Ex­position, die Anfälligkeit und die Bewältigungskapazität (Turner et al. 2003; Birkmann 2008; Bohle 2001; Cardona 2005; Bohle, Glade 2008). Demgegenüber ist die „externe“ Seite des Risikos primär mit der Naturgefahr sowie den direkten Veränderungen des Klimas verbunden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Exposition gegenüber Klimaveränderungen und Naturgefahren auch in der Naturrisikoforschung teilweise als eigenständiger Faktor definiert wird, der in gewisser Weise unabhängig von der Vulnerabilität zu bestimmen ist (vgl. UN/ISDR 2011).

Im Vergleich dazu verknüpft die Klimafolgenforschung den Begriff der Vulnerabilität stär­ker mit Aspekten der Einwirkung der Klimaänderungen (Gefahrenkomponente). So formuliert der IPCC in seinem vierten Assessmentbericht, dass die Verwundbarkeit abhängig ist von Art, Ausmaß und Geschwindigkeit der Klimaänderung sowie der Schwankung, der das System ausgesetzt ist, seiner Empfindlichkeit gegenüber diesen Veränderungen und seiner Anpassungskapazität (vgl. IPCC 2007 a). Demzufolge wird im Rahmen der Klimawandelforschung bisher ein deutlich stärkerer Akzent auch auf die direkten Auswirkungen des Klimawandels im Verständnis von Vulnerabilität gelegt (vgl. u.a. Zebisch et al. 2005).

Im neusten IPCC Spezialbericht SREX (IPCC 2012) ist eine gewisse Integration der Perspektiven der Naturrisikoforschung einerseits und der Klimafolgenforschung andererseits erfolgt. Dabei wurde das Konzept der sozialen Vulnerabilität besonders betont und auch verdeutlicht, dass die Exposition eher als eigenständige Dimension neben der Vulnerabilität betrachtet werden kann (vgl. IPCC 2012: 31).

Trotz der unterschiedlichen Definitionen und Ansätze im Detail kann ein gewisser Grundkonsens zwischen der Denkschule der Naturrisikoforschung und der Klimafolgenforschung darin gesehen werden, dass Vulnerabilität einer Gesellschaft, eines Systems oder Raums mindestens zwei Kernfaktoren zu berücksichtigen hat:

  1. Die Sensitivität oder Anfälligkeit des Systems oder der Gesellschaft, die von sozioökonomischen und kulturellen Einflussfaktoren sowie Umweltbedingungen abhängen;
  2. Die Bewältigungs- und Anpassungskapazitäten an sich verändernde Bedingungen, die ebenfalls von sozio-ökonomischen, kulturellen und umweltbedingten Einflussfaktoren abhängen. Während Bewältigung in der Tendenz stärker die direkten Handlungsmöglichkeiten einer Gesellschaft oder eines Raumes bezogen auf die Einwirkungen eines Gefahrenereignisses umfasst, sind Anpassungspotenziale vielfach mit deutlichen mittel- und langfristig wirkenden Veränderungen verbunden.

Die Exposition ist dabei direkt oder indirekt zu berücksichtigen, beispielsweise zur Festlegung der Untersuchungsbereiche für die weitere Vulnerabilitätsanalyse. Einige Ansätze nutzen zudem beispielsweise den Anteil der exponierten Bevölkerung oder des Raumes als eine Größe für die Vulnerabilitätsbetrachtung (vgl. Turner et al. 2003; Birkmann et al. 2012).

Ein System ist also vulnerabel, wenn es für nachteilige Auswirkungen des Klimawandels anfällig und nicht in der Lage ist, diese zu bewältigen. Im Umkehrschluss ist die Vulnerabili­tät eines Systems, einer Region, einer Kommune oder eines Haushaltes umso niedriger, je größer Bewältigungs- und Anpassungskapazität sind (Smith et al. 2001).

Trotz der Schwierigkeiten, einen alle Aspekte umfassenden gemeinsamen Ansatz der Vulnerabilität zu entwickeln, hat das Konzept mit den unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten – soziale, ökologische, ökonomische Vulnerabilität – erheblich dazu beigetragen, dass sog. Naturkatastrophen und auch der Klimawandel heute nicht mehr als rein physisches Ereignisse, sondern als vielschichtige Mensch-Umwelt-Interaktionsprobleme wahrgenommen werden (Birkmann 2008).

w
Wetter

Vgl. Klima.

Witterung

Vgl. Klima.

f
Fachplanung

Fachplanung umfasst die systematische Vorbereitung und Durchführung von Maßnahmen, die auf die Entwicklung eines bestimmten Sachbereiches beschränkt sind. Beispiele für Fachplanungen insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen durch den Klimawandel sind die Landschaftsplanung, die Verkehrsplanung und die Wasserwirtschaftliche Planung.

Fachplanungen existieren auf Ebene des Bundes, der Länder, Regionen oder Gebietskörperschaften. Sie sind sektoral (an Umweltmedien oder Aufgaben) orientiert, aber vielfach mit räumlichem Bezug, sodass sie Raumbedeutsamkeit erlangen. Fachplanungen verfügen über eigene Rechtsgrundlagen (z.B. Wasserhaushaltsgesetz, Naturschutzgesetz), in denen durch die sog. Raumordnungsklausel den Erfordernissen der Raumordnung Geltung verschafft wird (Runkel 2005; Reitzig 2011; Vallée 2011).

Von diesen raumbedeutsamen Fachplanungen wird die Raumplanung unterschieden. Die Raumplanung nimmt auf allen Ebenen – sowohl auf überörtlicher als auch auf örtlicher – eine Abstimmung und Zusammenfassung der raumbedeutsamen Fachplanungen vor, weshalb die Raumplanung auch als integrativ, überfachlich oder übergeordnet beschrieben wird. Raumplanung und raumbedeutsame Fachplanungen können wiederum unter dem (Ober-)Begriff der raumbedeutsamen Planungen zusammengefasst werden (Turowski 2005; Greiving 2011).

Durch den Klimawandel steigen die Anforderungen an alle Fachplanungen, die sich mit den natürlichen Ressourcen auseinandersetzen (z.B. Landschaftsplanung, Wasserwirtschaft) (Zebisch et al. 2005). Zudem müssen Infrastrukturplanungen an veränderte klimatische Bedingungen angepasst und Emissionen von Treibhausgasen minimiert werden (ebd.). Die Verkehrsplanung kann z.B. über die Nahverkehrpläne Einfluss auf die Reduzierung der Treibhausgasemissionen nehmen. Anpassungsstrategien der Fachplanungen werden z.B. deutlich in den Hochwasserrahmenplänen der Wasserwirtschaft. Die durch den Klimawandel entstehenden Herausforderungen setzen teilweise auch sehr langfristige Strategien der Fachplanungen voraus. Beispiele hierfür sind Bestrebungen des Naturschutzes und der Landschaftsplanung zur Erhaltung der Biodiversität durch die Errichtung eines umfassenden Biotopverbundsystems oder aber Maßnahmen der Waldmehrung und des Waldumbaus in forstlichen Rahmenplänen.

Da Anpassungsstrategien einzelner Fachplanungen jedoch auch raumbedeutsame Konflikte untereinander beinhalten können, ist die sektorübergreifende und stärker integrative Perspektive der Raumplanung bei der Formulierung von Anpassungsstrategien erforderlich (Overbeck et al. 2008).

g
Gefahr, Gefährdung

Gefahr bezeichnet eine potenziell schadensauslösende Einwirkung, die allmählich oder als Ereignis mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auftritt (vgl. UN/ISDR 2004; Greiving 2002; WBGU 1999).

Der Begriff der Gefahr entspricht im Englischen im Wesentlichen dem Begriff des „hazard“: „A potentially damaging physical event, phenomena or human activity that may cause the loss of life or injury, property damage, social and economic disruption or environmental degradation. Hazards can include latent conditions that may represent future threats and can have different origins […]“ (UN/ISDR 2004: 4).

Gefahren können durch ein Naturereignis, technische bzw. organisatorische Fehler oder menschliches Verhalten entstehen (SKK 2006). Im Polizei- und Ordnungsrecht werden Gefahren darüber hinaus als Phänomene definiert, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht. In dieser Hinsicht bezeichnet Gefahr „eine Sachlage, in der bei ungehindertem Ablauf des objektiv zu erwartenden Geschehens in absehbarer Zeit mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein Schaden für eines der Schutzgüter (öffentliche Sicherheit bzw. Ordnung) eintreten wird“ (Schoch 2005: 174).

In Bezug auf Extremwetterereignisse werden insbesondere die möglichen Wirkungen auf Schutzgüter wie Gesundheit, Sachgüter, Umwelt sowie soziale oder wirtschaftliche Strukturen betrachtet. Erst wenn ein Extremereignis (z. B. Hochwasser) bestimmte negative Auswirkungen auf ein solches Schutzgut haben kann, wird von Gefahr bzw. einem Gefahrenereignis gesprochen.

Die Unterscheidung zwischen einer Gefahr und dem tatsächlichen Ereignis ist zunächst durch unterschiedliche Perspektiven gekennzeichnet. Während ein Ereignis einen tatsächlichen (vergangenen oder zukünftigen) Vorgang beschreibt, geht es bei der Gefahr um die Möglichkeit eines Schadens. Da eine Gefahr immer im Zusammenhang mit einem möglichen Schaden steht, handelt es sich dabei – wie auch beim Schaden – um einen anthropozentrisch geprägten Begriff. Ein (zukünftiges) Ereignis wird also dann zur Gefahr, wenn durch dessen Eintreten konkrete und abstrakte Werte gemindert oder zerstört werden könnten.

Für die räumliche Planung ist es bedeutsam zu prüfen, welche Gefahren überhaupt raumrelevant oder raumplanungsrelevant sind (vgl. Fleischhauer 2005; Greiving 2007). Tab. 1 stellt die raumplanerische Relevanz und den Klimawandelbezug verschiedener Naturgefahren in Zusammenhang. Unabhängig von dieser Zuordnung besteht die Möglichkeit, dass in bestimmten Fällen durch das Zusammenwirken verschiedener Naturgefahren ein indirekter Zusammenhang zwischen Naturgefahren und ihrem Klimabezug bzw. der raumplanerischen Relevanz besteht.

Die Interaktion zwischen einer Gefahr bzw. einem Gefahrenereignis und einer vulnerablen Gesellschaft konstituiert – insbesondere nach der Denkschule der Naturrisikoforschung – ein Risiko (UN/ISDR 2004; Wisner et al. 2004; Birkmann 2008). Risikobewertungen und Risikoabschätzungen sind mit bestimmten Eintrittswahrscheinlichkeiten eines Gefahrenereignisses verbunden.

Tab. 1: Raumplanerische Relevanz und Klimawandelbezug ausgewählter Naturgefahren

Klimabezug

 

Raumpl.
Relevanz

hoch

mittel

gering bzw.
nicht vorhanden

hoch

-  Flussüberschwemmung

-  Sturzflut

-  Murgang

-  Bergrutsch, Erdrutsch
(infolge von Niederschlägen oder Auftauen von Permafrost)

-  Sturmflut

-  Tidebeeinflusste Hochwasser

-  Bergrutsch, Erdrutsch
(infolge von Erschütterungen in Verbindung mit Nieder­schlägen)

-  Bergsturz, Felssturz

-  Lawine

-  Vulkanausbruch

mittel

-  Dürre

-  Frost

-  Sturm

-  Waldbrand

-  Erdbeben

gering bzw.
nicht vorhanden

-  Hagel

-  Hitzewelle

-  Kältewelle

(nicht erfüllt)

-  Meteoriteneinschlag

Raumplanerische Relevanz: Naturgefahr lässt sich mit formellen Instrumenten der Raumordnung/Bauleitplanung begegnen und/oder lässt sich räumlich deutlich von nicht gefährdeten Bereichen abgrenzen.

Klimabezug: Naturgefahr wird durch Wetterereignisse und/oder die Veränderung des Klimas in Häufigkeit und/oder Intensität verstärkt.

Quelle: Fleischhauer 2004

Von der Gefahr ist die Gefährdung zu unterscheiden, die sich auf die mögliche Schädigung eines konkreten Schutzgutes bezieht (vgl. z.B. SSK 2006). Egli (1996: 15) definiert Gefährdung erweitert als „eine nach Art, Ausdehnung, Eintretenswahrscheinlichkeit und Intensität bestimmte Gefahr“. Mit anderen Worten handelt es sich beim Begriff der Gefährdung um eine qualitativ und quantitativ näher bestimmte Gefahr.

k
Klima

Klima ist die raum-zeitliche Gesamtheit aller Wettererscheinungen in der Atmosphäre unter Berücksichtigung des Maßstabs der wirkungsrelevanten Prozesse.

Diese wissenschaftliche Definition in Anlehnung an Hupfer und Chmielewski (1990) umfasst verschiedene Definitionen des Begriffs Klima, die je nach betrachtetem Prozess und Maßstab (von global bis lokal) unterschiedlich formuliert sind. Im Kontext des Klimawandels wir­ken neben Prozessen in der Atmosphäre viele andere Prozesse vom Erdinneren bis zum Son­nensystem mit. Das Klimasystem wird als Teil eines komplexen Erdsystems verstanden.

Der IPCC definiert Klima in einem engeren und einem weiter gefassten Zusammenhang. Im weiteren Sinn ist Klima der Zustand des Klimasystems, seiner Statistik und Variabilität. Im engeren, traditionellen Sinn ist Klima die statistische Beschreibung des Wetters über einen genügend langen Zeitraum, von Monaten zu Tausenden oder Millionen von Jahren. Der klas­sische, von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definierte Zeitraum (= Klimanor­malperiode) sind 30 Jahre; die letzte komplette Klimanormalperiode war 1961–1990 (IPCC 2007b).

Die relevanten Zustandgrößen des Klimas, wie Temperatur, Niederschlag, Strahlung sowie stoffliche Transportparameter z. B. von Luft und Wasser, sind raum-zeitlich statistisch aggre­gierte und damit unanschauliche Größen. Im Gegensatz dazu beschreibt das Wetter den spür­baren momentanen (Sekunden bis Tage) Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort der Erdoberfläche. Wetter lässt sich direkt spüren bzw. mit Messgeräten für Temperatur, Be­wölkung, Niederschlag, Wind usw. messen. Als Witterung bezeichnet man das Wetter in ei­nem Zeitabschnitt von mehreren Tagen oder Wochen mit einer relativ homogenen Ausprä­gung, beispielsweise eine Föhnperiode in den Alpen mit reduzierter Luftfeuchte und gleich­zeitig erhöhter Lufttemperatur (Lauer, Bendix 2004).

Klimaanpassung (engl.: climate change adaptation)

Vgl. Anpassung.

Klimamodell

Ein Klimamodell ist ein numerisches oder statistisches Modell, das eine dreidimensionale Repräsentation der Atmosphäre enthält und die in ihr ablaufenden physikalischen und chemischen Prozesse beschreibt. Es berücksichtigt Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Erdoberfläche.

Ein globales Klimamodell (General Circulation Model, kurz GCM) basiert i. d. R. auf einem Atmosphärenmodell, wie es auch bei der numerischen Wettervorhersage zum Einsatz kommt. Zur Klimamodellierung wird dieses erweitert, da die Atmosphäre nicht als isoliertes System betrachtet werden kann. Üblicherweise wird ein Ozeanmodell angekoppelt – man erhält dann ein sogenanntes Atmosphere-Ocean GCM, kurz AOGCM – und zudem ein Schnee- und Eismodell für die Kryosphäre sowie ein Vegetationsmodell für die Biosphäre. Es gibt eine Entwicklung in Richtung noch komplexerer Modelle mit interaktiver Chemie und Biologie.

Um die räumliche Auflösung der Ergebnisse zu erhöhen, stehen mit dynamischen und statistischen regionalen Klimamodellen prinzipiell zwei Ansätze zur Verfügung. Regionale dynamische Klimamodelle repräsentieren – wie globale Klimamodelle – die Dynamik der physikalischen und chemischen Prozesse in der Atmosphäre. Da sie nur einen regionalen Ausschnitt der Atmosphäre modellieren, ist ihre horizontale Auflösung – bei gleichbleibendem Rechenaufwand – größer als bei globalen Klimamodellen und liegt typischerweise bei unter 50 km bis zu nur wenigen Kilometern. Wie auch bei globalen Klimamodellen müssen Prozesse, die auf feinerer Skala als die räumliche Auflösung stattfinden, parametrisiert werden. Im Gegensatz zu dynamischen Klimamodellen beruhen regionale statistische Klimamodelle auf der Ermittlung skalenübergreifender Beziehungen zwischen Klimaparametern, d. h. Beziehungen zwischen großskaligen Klimavariablen (z. B. globale Mitteltemperatur) und lokalen/regionalen Klimavariablen (z. B. mittlere Januartemperatur an einem bestimmten Ort). Diese Beziehungen werden aus langjährigen Messdatenreihen abgeleitet und sind i. d. R. für jede Region unterschiedlich. Regionale Klimamodelle benötigen eine Vorgabe der globalen Klimaänderung, etwa aus den Ergebnissen globaler Klimamodelle, z. B. müssen regionale dynamische Klimamodelle in ozeanische und laterale atmosphärische Randbedingungen an den Modellrändern eingebettet werden.

In Deutschland werden derzeit vier regionale Klimamodelle zur Erstellung regionaler Klimaszenarien eingesetzt: Die beiden dynamischen Modelle REMO (Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg) und CCLM (Deutscher Wetterdienst und etwa 25 weitere Institutionen) sowie die beiden statistischen Modelle STAR (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) und WettReg (Climate and Environment Consulting Potsdam GmbH) (Walkenhorst, Stock 2009).

a
Anpassungsstrategien

Anpassungsstrategien in Bezug auf den Klimawandel sind langfristig angelegte Konzepte oder Verhaltensweisen einschließlich der zu ihrer Umsetzung eingesetzten Instrumente und Maßnahmen, um Nachteile von tatsächlichen oder erwarteten Klimaveränderungen mit deren Folgen zu mindern und Vorteile zu nutzen.

In Bezug auf den Klimawandel werden Strategien sowie daraus abgleitete Instrumente und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt bzw. weiterentwickelt. Als politische Strategie wurde 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) an den Klimawandel be­schlossen (Bundesregierung 2008), die einen Rahmen für weiterführende Anpassungsstrategien in den gesellschaftlichen Handlungsfeldern aufzeigt. Dabei wird der Raumplanung als integrative Querschnittsauf­gabe eine Rolle u.a. bei der Entwicklung von Leitbildern für anpassungsfähige und resiliente Raumstrukturen zugewiesen (Instrumente der Raumplanung). Wissenschaft und Politik sind neben der Erarbeitung weiterer Grundlagen für diese Strategien dabei, die Aussagen der DAS zu konkretisieren, um u.a. umsetzbare, aufeinander abgestimmte und mit Blick auf die Zielerreichung überprüfbare Maßnahmen zu entwickeln. Der 2011 beschlossene Aktionsplan Anpassung der DAS (Bundesregierung 2011) stellt eine erste Präzisierung der in der Verantwortung des Bundes liegenden Aktivitäten dar. Sowohl die DAS als auch der Aktionsplan Anpassung werden fortgeschrieben. Neben diesem nationalen Rahmen für den Anpassungsprozess gibt es in allen Bundesländern vielfältige politische und wissenschaftliche Aktivitäten, um Anpassungsstrategien vorzubereiten oder umzusetzen.

Im Unterschied zur Anpassung an bereits eingetretene Klimaänderungen und deren Folgen beziehen sich Anpassungsstrategien auf Konzepte oder Verhaltensweisen, um zukünftigen Auswirkungen begegnen zu können. Eine erfolgreiche Strategie benötigt ein Ziel (häufig i.S. der Abwen­dung einer Gefahr oder Vermeidung/Minimierung eines Schadens), zielführende Handlungen sowie die Bereitschaft, die Strategie an die spezifischen Erfordernisse anzupas­sen. Für die Entwicklung einer Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels gilt es darzulegen, was zu tun ist und wer die Verantwortung für die erforderliche Handlung trägt (BMVBS, BBSR 2009).

Anpassung (auch: Adaption, engl.: adaptation)

Anpassung an den Klimawandel bezeichnet den Prozess der Umstellung und Ausrichtung von natürlichen und gesellschaftlichen Systemen auf tatsächliche oder zu erwartende Klimaveränderungen mit deren Folgen, um die negativen Auswirkungen zu mindern und Vorteile nutzbar zu machen (vgl. IPCC 2007 a; IPCC 2012).

In gesellschaftlichen Systemen beschreibt Anpassung insbesondere Strategien, Instrumente und Maßnahmen zur Veränderung von Entscheidungsprozessen und Handlungen zur Vermeidung oder Minimierung möglicher Schäden sowie zur Nutzung möglicher Vorteile, die durch den Klimawandel auftreten können (vgl. Smit, Pilifosova 2001). Anpassungsstrategien beziehen sich vor allem auf die Vulnerabilität einer Gesellschaft bzw. von Räumen und Raumstrukturen.

Klimaanpassung kann in Form von physischen (technischen) Maßnahmen oder planerischen Regelungen erfolgen. Physische Anpassungsoptionen sind z. B. eine geän­derte landwirtschaftliche Bodennutzung zur Aufrechterhaltung der Ertragsfähigkeit oder die Schaffung zusätzlicher Talsperren und Retentionsräume für den Hochwasserrückhalt. Plane­rische Anpassungsmöglichkeiten hingegen zielen beispielsweise auf technische Regeln oder die räumliche Steuerung, Abwägung und Umsetzung von Maßnahmen.

In Abhängigkeit vom Grad des Bewusstseins und dem Kenntnisstand sowie dem Zeitpunkt der Anpassung kann zwi­schen autonomer und geplanter sowie proaktiver und reaktiver Adaption unter­schieden werden (Smit et al. 1999):

  1. Die autonome (auch spontane) Adaption erfolgt selbstständig, ungeplant und unbewusst. Dazu zählt etwa die Anpassung durch ökologische Veränderungen natürlicher Systeme, z. B. die Vergrößerung der bioklimatischen Toleranzbreite von Pflanzenarten durch evo­lutionäre Prozesse. Auch die spontane Anpassung des Handels an neue Rahmenbedingungen der Märkte, etwa an eine nachlassende Nachfrage als Folge von Preissteigerungen aufgrund von Angebotsknappheit, stellt eine autonome Anpassung dar (Schröter et al. 2004).
  2. Im Gegensatz dazu dient die geplante Adaption einer gezielten Ausrichtung eines Systems auf reale oder erwartete Änderungen des Klimas mit ihren Folgen, die entweder i. S. von (a) reaktiver Anpassung ein bereits be­troffenes System wiederherstellen oder eine erneute bzw. weitergehende Schädigung verhindern soll, oder i. S. von (b) proaktiver Anpassung zukünftige Änderungen des Klimas mit ihren Folgen frühzeitig berücksichtigt, um negative Auswirkungen zu minimieren und positive Auswirkungen zu nutzen. Dabei kann zusätzlich u.a. zwischen der Anpassung privater und öffent­licher Akteure unterschieden werden (IPCC 2007c).

Adaption wird oft als Gegenpol zur Mitigation bezeichnet, d.h. zur Gesamtheit der Maßnahmen zum Klimaschutz. Aus akademischer Sicht ist diese Unterscheidung durchaus berechtigt, da sehr unterschiedliche Forschungsaspekte mit den beiden Themen verbunden sind. Auch aus administrativer Sicht sind in beiden Bereichen unterschiedliche Sachverhalte und Akteure einzubeziehen. Allerdings ermöglicht eine integrierte Be­handlung beider Handlungsansätze die Nutzung von Synergien und die Minderung von Konflikten (Stock, Walkenhorst 2006).

Eine langfristige Anpassung an den Klimawandel und dessen Folgen hängt neben gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen (Entwicklung der Anpassungskapazitäten) auch vom Ausmaß des Klimaschutzes ab. Beispielsweise würde sich die Anpassung zentraler gesellschaftlicher Bereiche sowie der Raum­nutzungen an einen in langen Zeiträumen möglicherweise sehr hohen Meeresspiegelanstieg[1] als sehr schwierig erweisen.



[1] Geologische Analysen deuten auf eine nahezu lineare Beziehung zwischen globaler Mitteltemperatur und dem Meeresspiegel hin. Eine um 3°C höhere Temperatur könnte demnach nach mehreren Jahrhunderten zu einem um 50 Meter höheren Meeresspiegel führen (Archer, Brovkin 2008).

Anpassungsfähigkeit (engl.: adaptability), Anpassungskapazität (engl.: adaptive capacity)

Anpassungsfähigkeit in Bezug auf den Klimawandel ist das Vermögen von Individuen sowie natürlichen und gesellschaftlichen Systemen, die Nachteile von tatsächlichen oder erwarteten Klimaveränderungen mit deren Folgen zu mindern und Vorteile zu nutzen (vgl. IPCC 2007c; IPCC 2012).

Der Begriff umfasst das gesamte Potenzial eines Systems, z.B. eines Ökosystems, einer Gemeinschaft, eines Unternehmens, eines Unternehmens, einer Kommune, einer Region, sich auf den Klimawandel (einschließlich schleichender Veränderungen und Einzelereignissen) mit seinen Folgen einzustellen. Die Begriffe Anpassungsfähigkeit und Anpassungskapazität werden vielfach synonym verwendet. Die Anpassungskapazität kann auch potenzielle Ressourcen umfassen, die aktuell noch nicht vorhanden sind. Die Anpassungsfähigkeit bezieht sich in einigen Ansätzen demgegenüber nur auf die vorhandenen Ressourcen.

Anpassungskapazität bezieht sich bei einigen Autoren alleine auf die geplante Anpassung und charakterisiert das Vermögen, sich auf die Risiken und Chancen des Klimawandels vorzeitig (proaktive Adaption) oder im Nachhinein einzustellen (reaktive Adaption). Die autonome Anpassung wird dann nicht der Anpassungskapazität zugeordnet (Smit, Pilifosova 2001).

Während die Bewältigungskapazität in der internationalen Risiko- und Klimawandelforschung meist durch die Fähigkeit definiert wird, vorhandene Ressourcen und Kapazitäten im Ereignisfall nutzen zu können (vgl. z. B. IPCC 2012), wird unter dem Begriff der Anpassungskapazität meist ein längerfristiger strategischer Prozess verstanden, der über das Konzept der Bewältigungskapazität deutlich hinausgeht. Vogel & O’Brian (2004) sowie Gore (1992) unterstreichen diese Auslegung, indem sie verdeutlichen, dass Anpassung im Gegensatz zur Bewältigung eine eher langfristige Perspektive aufweist und strategischere Handlungsansätze erfordert. Zudem erfordert Anpassung teilweise auch den Wandel in bisherigen Strukturen und Systemen, z. B. in Managementsystemen für Umweltressourcen oder landwirtschaftlichen Produktionsmethoden sowie in der Risikowahrnehmung (Vogel, O’Brian 2004; Gore 1992; Yohe, Tol 2002; Birkmann, Fleischhauer 2009; Birkmann, Teichman 2010).

b
Bewältigungskapazität (engl.: coping capacity)

Bewältigungskapazität ist das Vermögen von Individuen sowie natürlicher oder gesellschaftlicher Systeme, vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten zu nutzen, um die Einwirkungen eines katastrophalen Ereignisses zu mindern bzw. zu vermeiden (vgl. UN/ISDR, 2004).

Im Vergleich zur Anpassungskapazität ist der Begriff der Bewältigungskapazität auf direkte Maßnahmen in, vor, oder nach einem Ereignis bezogen. Bewältigungskapazität bezeichnet die Fähigkeit, mit den Einwirkungen des Ereignisses für eine kurze Zeit umgehen zu können oder nach dem Ereignis eine schnelle Wiederherstellung des Ausgangszustandes zu erreichen. In dieser Hinsicht ist Bewältigung im Gegensatz zu Anpassung stärker auf den Erhalt des Systems ausgerichtet sowie auf kurzfristige Maßnahmen, die weniger strategische Orientierungen umfassen (vgl. Gore 1992; Birkmann, Fleischhauer 2009; Birkmann, Teichman 2010).

Während also die Bewältigung in erster Linie auf die Wiedererlangung der Eigenschaften, durch die das System vor dem Ereignis oder der Klimaveränderung gekennzeichnet war, ausgerichtet ist, zielt die Anpassung auch auf die Neuausrichtung des Systems entsprechend den geänderten Rahmenbedingungen oder den in Zukunft zu erwartenden Veränderungen der Rahmenbedingungen.

Die Bewältigung ist folglich häufig eine direkte Reaktion auf ein Ereignis und umfasst somit eher unmittelbare sowie kurzfristige und weniger strategische Handlungen, während das Konzept der Anpassung an die Folgen des Klimawandels eine mittel- bis langfristige Perspektive der Veränderung ausdrückt und teilweise geplante Handlungen erfordert. Strategien, Instrumente und Maßnahmen der räumlichen Planung können sich auch auf eine Förderung der Bewältigungskapazität beziehen.

Beispielsweise kann die Bewältigungskapazität eines landwirtschaftlichen Betriebs in der Möglichkeit bestehen, einen Teil des Betriebinventars zu verkaufen, um Ernteverluste oder Schäden am Betrieb (z. B. durch Starkniederschläge oder Dürre) zu kompensieren. Anpas­sungskapazitäten wären demgegenüber solche Mittel und Möglichkeiten, die es dem Landwirt erlauben, trotz der Einwirkung der Extremereignisse seine Produktion und seinen Lebensstan­dard – ohne größere Verluste – aufrechtzuerhalten. Dies könnte z. B. über den Anbau dürrere­sistenter Pflanzenarten oder die Umstellung von Produktionsprozessen geschehen.

Unbeschadet dieser Differenzierung gibt es auch gemeinsame Schnittmengen von Bewälti­gungs- und Anpassungskapazitäten, wie z. B. im Bereich der Risikoversicherung, die sowohl eine finanzielle Bewältigung entsprechender Verluste und Schäden durch Extremereignisse ermöglicht als auch eine längerfristige Anpassung befördern kann. Im Kontext des Klima­wandels wird sowohl die Stärkung der Bewältigungskapazität als auch die Förderung der An­passungskapazität durch räumliche Planung erforderlich sein, da sich abrupte Gefahren und Ereignisse ebenso wie langfristige Trends und schleichende Prozesse im Raum auswirken.

e
Empfindlichkeit, Sensitivität

Die Empfindlichkeit oder Sensitivität eines Mensch-Umwelt-Systems gegenüber bestimmten Veränderungen des Klimas ist in der Klimafolgenforschung Teil der Vulnerabilität und wird zusammen mit Unterschieden der Definition in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen dort erläutert. In der Naturrisiko- und geographischen Vulnerabilitätsforschung wird Sensitivität kaum als Begriff genutzt, es wird eher von Anfälligkeit (engl.: susceptibility) als Komponente der Vulnerabi­lität gesprochen.

k
Klimaprojektion

Als Klimaprojektion wird eine mögliche zukünftige Entwicklung einzelner oder mehrerer Klimakenngrößen (Klimavariablen) bezeichnet, wie sie auf der Basis von Szenarien mithilfe eines Klimamodells berechnet werden kann.

Berechnungsgrundlage sind (Emissions-)Szenarien, wie sie für die globale Klimaentwicklung vom IPCC entwickelt wurden (vgl. IPCC 2001b). Szenarien liegen begründete Annahmen zur möglichen Entwicklung von Antriebsparametern der Klimaänderung (z. B. Sonnenaktivität, Treibhausgasemissionen oder Landnutzungsänderungen) zugrunde, mit denen Klimamodelle die zukünftige Klimaentwicklung berechnen. Ob diese Annahmen auch tatsächlich eintreten werden, ist ungewiss, was wesentlich zu den Unsicherheiten bzgl. der zukünftigen Klimaentwicklung beiträgt. Dieser Unsicherheit wird durch verschiedene Szenarien mit alternativen Annahmen Rechnung getragen, was zu verschiedenen Projektionen führt. Hinzu kommen zusätzliche Unsicherheiten aus der Berechnung der weiteren Entwicklung mit verschiedenen Modellen (s. Abb. 1).

Im Unterschied zum Begriff „Klimaprognose“, der vermieden wird, weil er die Existenz eines einzigen Pfades in die Zukunft suggeriert, weisen Klimaprojektionen auf mögliche unterschiedliche Pfade in die Zukunft hin, die von zukünftigen sozioökonomischen und technologischen Entwicklungen sowie von gegenwärtigen Weichenstellungen abhängen.

Abb. 1: Schematische Darstellung möglicher alternativer Projektionen von Klima und Klima­folgen und der Beiträge verschiedener Unsicherheiten bei Multimodellrechnungen

Die möglichen alternativen Entwicklungen der zukünftigen Klimafolgen gehen von Szenarien der Treibhausgasemissionen auf der Basis von Annahmen zur Entwicklung der Energie- und Landnutzung aus und berechnen die möglichen Folgen schrittweise mit verschiedenen Modellen.

Quelle: Eigene Darstellung (in Anlehnung an Viner 2002)

Klimaschutz (auch: Mitigation, engl.: mitigation)

Der Begriff Klimaschutz wird mit zwei Bedeutungen verwendet: (1) In der Diskussion zum Klimawandel versteht man darunter alle Bemühungen zum Schutz des globalen Klimas, also zur möglichst weitgehenden Vermeidung des Klimawandels. Hierfür wird häufig auch der Begriff Mitigation verwendet. (2) Daneben kann Klimaschutz als Schutz bzw. Sicherung der lokalen (bio-)klimatischen Funktionen verstanden werden, i.S. des Schutzgutes „Klima“ der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) oder der Strategischen Umweltprüfung (SUP)

(1) Klimaschutz in Zusammenhang mit dem Klimawandel umfasst sämtliche Strategien und Maßnahmen zur Minderung der Emission klimarelevanter Gase (sog. Treibhausgase). Dies beinhaltet

  • die Reduktion der Treibhausgasemissionen durch:

o  die Reduktion des Energieverbrauchs (Steigerung der Energieeffizienz, Verzicht auf bzw. Reduktion von Energie verbrauchenden Tätigkeiten),

o  den Wechsel zu regenerativen, d.h. nicht auf fossilen Brennstoffen beruhenden, Energieträgern (v.a. Windenergie, Photovoltaik / passive Solarenenergie, Wasser­kraft, Biomassenutzung, Geothermie),

  • die Sicherung von natürlichen (v.a. Moore, Wälder) und technischen (v.a. Carbon Cap­ture & Storage, CCS, bei Kraftwerken) Treibhausgassenken (IPCC 2007d).

Den internationalen Rahmen für den Klimaschutz bildet v. a. das 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll (verabschiedet von der 3. COP in Kyoto 1997), das für die Unterzeichnerstaaten unterschiedliche Reduktionsziele bis zum Jahr 2012 enthält. Derzeit werden von der internationalen Staatengemeinschaft eine 2. Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll (als Übergangslösung) sowie ein neues Abkommen (geplanter Beschluss 2015) verhandelt. In Deutschland hat die Bundesregierung über das Kyoto-Protokoll hinaus zugesagt, die Emission von Treibhausgasen bis 2020 um 40 % (bezogen auf 1990) zu reduzieren, sofern die EU-Staaten einer Reduzierung der europäischen Emissionen um 30 % im gleichen Zeitraum zustimmen. Ein wichtiges Klimaschutz-Instrument ist das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG), das den Betreibern von Anlagen Erneuerbarer Energien über einen bestimmten Zeitraum einen festen Abnahmepreis garantiert.

Die Raumordnung trägt zum Klimaschutz v. a. durch die räumliche Steuerung erneuerbarer Energien (z. B. Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Windkraft und Solaranlagen) sowie durch die Förderung energieeffizienter Raum- und Siedlungsstrukturen (Stadt der kurzen Wege, Funktionsmischung) bei. Hinsichtlich des Ausbaus erneuerbarer Energien bestehen in vielen Regionen mittlerweile entsprechende Energiekonzepte. Auf Ebene der Bauleitplanung sind durch das Baugesetzbuch (BauGB) und die Baunutzungsverordnung (BauNVO) Festlegungen zum Klimaschutz bei Vorhaben der Siedlungsentwicklung möglich. Grundsätzlich können auch raumordnerische Konzepte wie dezentrale Konzentration, das Zentrale-Orte-System usw. zur Vermeidung von Verkehr und damit zur Einsparung von Treibhausgasemissionen beitragen, wobei jedoch die tatsächliche Wirkung vom Nutzer- bzw. Mobilitätsverhalten abhängt.

(2) Der Schutz der lokalen bioklimatischen Funktionen umfasst v. a. die planerische Siche­rung von Kaltluftentstehungsgebieten und Frischluftbahnen und ist insbesondere in Sied­lungsräumen von Bedeutung. Durch die mit dem Klimawandel einhergehende Temperaturer­höhung steigt die Bedeutung des Austauschs von Luftmassen in Siedlungsräumen. Daneben lässt sich durch entsprechende Gestaltung von Grünflächen (v. a. durch Bäume) die Hitzebe­lastung lokal reduzieren. Im Zuge der Anpassung an den Klimawandel steigt somit die Be­deutung der Sicherung von Freiräumen bzw. Grünzügen.

Klimavariabilität

Die Klimavariabilität bezeichnet die Schwankungen des mittleren Zustands und anderer statistischer Größen (wie Standardabweichungen, Vorkommen von Extremereignissen usw.) des Klimasystems auf allen zeitlichen und räumlichen Skalen.

Da das Klimasystem ein nichtlineares System mit komplexer Dynamik ist, unterliegt es einer natürlichen Variabilität durch natürliche interne Prozesse (interne Variabilität). Die Variabilität kann aber auch durch natürliche (z.B. Sonnenaktivität, Vulkanismus) oder anthropogene (z.B. Treibhausgasemissionen) äußere Einflüsse begründet sein (externe Variabilität). In der Regel wird mit dem Begriff der Klimavariabilität der natürliche Prozess der Klimaschwankungen bezeichnet, wohingegen unter dem Begriff Klimawandel der vom Menschen verursachte Anteil der Klimaänderungen verstanden wird (IPCC 2007d).